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Im Süden des Irans

Der Persische Golf und die Insel Qeshm

Endlich ist wieder Sommer. Bei angenehmen 27°C erreichen wir den persischen Golf. Zuerst bereisen wir die Südküste des Irans, um dann die Insel Qeshm in der Strasse von Hormuz unsicher zu machen. Auf der Insel sehen wir wunderschöne Canyons, tolle Strände und wilde Kamele. Wie gut, dass wir auf der Insel entspannen können, bevor uns der bürokratische Wahnsinn erwartet: die Verschiffung nach Dubai steht bevor.




Die Seele baumeln lassen am Persischen Golf

Wir finden einen gemütlichen Stellplatz in Siraf, direkt am Meer. Wir sind richtig glücklich. Nach fast 15'000 Kilometern sind wir am Persischen Golf angelangt. So weit haben wir es also schon geschafft.

 

Wir sitzen im Sand, geniessen die Wärme und schauen aufs Meer. Plötzlich sehen wir etwas im Wasser auftauchen. Schildkröten! Bestimmt ein Dutzend Schildkröten schwimmen umher und für kurze Zeit sehen wir immer mal wieder ihre Köpfe an der Wasseroberfläche. Bei einem gemütlichen Lagerfeuer lassen wir den Abend ausklingen. In der Ferne sehen wir etliche Flammen am Himmel. Wir sind nicht mehr weit von den Ölfeldern entfernt.

 

Wir reisen weiter Richtung Osten, in Richtung Bandar Abbas. Während mehreren Kilometern führt die Küstenstrasse sehr nahe an den Ölfeldern vorbei. Links von der Strasse befinden sich die Bohrlöcher mit ihren Flammen, rechts die Raffinerien. Und gleich hinter den Raffinerien beginnt der Persische Golf. Die Öltanker stehen schon bereit, um das kostbare Gut abzutransportieren.

 

Auf die Ölfelder folgt eine steppenartige Landschaft, die sehr karg ist. Wir sehen nur vereinzelt einige Ziegen. Ab und zu sind ein paar Palmen und grüne Kartoffelfelder zu sehen. Aber ohne ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem würde hier kaum etwas wachsen. Früher dienten kegelförmig-gebaute Lehmhäuser als Wasserreservoir. Wir sehen unzählige solcher Häuschen am Strassenrand. Einige sind noch immer mit Wasser gefüllt, viele sind aber alt und drohen einzustürzen. Ein etwa 10 Meter tiefes Loch befindet sich im Inneren, das Wasser stammt aus den Bergen und wird durch Kanäle in diese Wasserhäuschen geleitet. Unterirdische Quellen gibt es hier nicht. Viele Ortschaften entsalzen Meerwasser, damit sie ausreichend Trinkwasser haben. Eigentlich wollen wir heute bis kurz vor Bandar Abbas fahren, damit wir morgen die Fähre auf die Insel Qeshem nehmen können. Doch plötzlich entdeckt David rechts an der Küste einen grossen Spielplatz. Das wäre doch ein super Übernachtungsplatz und die kleine Antonia würde sich bestimmt darüber freuen.


Das kleine Fischerdorf Mollu

Wir fühlen uns sofort wohl hier. Eine grosszügig angelegte Parkanlage mit überdachten Picknickhäuschen, Toiletten, Duschen und das alles keine 10 Meter vom Meer entfernt. Machmut, der Parkwächter und Gärtner, begrüsst und gleich, gibt uns mit Zeichensprache zu verstehen wo sich die sanitären Einrichtungen befinden und dass wir hier gerne übernachten dürfen, kostenlos. Kurze Zeit später taucht Hamid auf. Er ist der Bürgermeister dieses 700-Einwohner-Dorfes namens Mullo. Er bringt uns am Abend leckeres Bort aus der Bäckerei vorbei. Bei netten Gesprächen tauschen wir uns mit ihm aus, bis es dunkel ist. Dann fährt Hamid mit seinem Auto weg. 15 Minuten später ist er jedoch wieder da. Es ist bestimmt schon nach 21 Uhr als Hamid plötzlich mit einem riesigen Bagger bei uns auftaucht. Er will uns den Bagger einfach nur zeigen. Damit will er in den nächsten Wochen den schönen Picknickplatz noch etwas erweitern. Echt lustig, wenn in der Dunkelheit plötzlich ein Bagger neben uns steht.

 

Am nächsten Morgen werden wir wiedermal Zeuge der unglaublich schönen Gastfreundschaft im Iran. Und wie wir merken werden, nicht nur am Morgen, sondern den ganzen Tag und die darauffolgenden Tage auch noch. Hamid bringt uns gegen 9 Uhr frisches Brot vorbei. Er sei schon um 7 Uhr hier gewesen, aber da haben wir noch geschlafen. Das Fladenbrot mit Sesam ist sogar noch warm. Da uns der Stellplatz so gut gefällt, beschliessen wir, ein paar Tage hier zu bleiben und die Seele baumeln zu lassen. Tagsüber geniessen wir die Sonne, gehen Schwimmen und David und Ingmar verbringen viel Zeit beim Angeln. Immer mal wieder bringen uns Einheimische, die zum Picknicken hierherkommen, Essen vorbei. So landet am Nachmittag ein voller Teller mit Reis, Linsen und Rosinen bei uns. Am Abend bringt uns ein Herr plötzlich gebratenen Fisch vorbei. Wie sich später heraus stellt, haben ihm Fischer den Fisch mitgegeben. Er soll den Fisch David bringen. Wie aufmerksam von den Fischern, denn sie haben gesehen, dass David den ganzen Tag nichts gefangen hat. 😊

 

Am Freitag, im Iran ist das der Sonntag, sind alle Picknickhäuschen besetzt. Eine Familie bringt uns am Nachmittag einen Teller mit Hühnchen, Reis und Tomate vorbei. Kurze Zeit später werden wir von einer anderen Familie zum Tee eingeladen und erhalten frisches Gebäck, das so ähnlich wie «Schenkeli» schmeckt. Gegen 19 Uhr verabschieden wir uns und laufen die wenigen Meter zurück zu unserem Auto. Plötzlich hält ein Motorradfahrer neben uns. Er drückt uns eine Tasche mit vier frischen Fischen und etwas Thunfisch in die Hand. Einfach so. Wie es scheint, hat sich herumgesprochen, dass unsere Versuche, eigene Fische zu fangen, bisher erfolglos waren. Er will kein Geld dafür. Diese Grosszügigkeit ist uns manchmal wirklich nicht recht. Es sind meistens die Leute, die eh schon wenig haben, aber dafür umso grosszügiger sind. Das ist wirklich schön. Wir versuchen uns jeweils mit Bonbons, Milka-Schokolade oder Toblerone erkenntlich zu zeigen. Aber meistens wollen die Leute gar nichts als Gegenleistung, sondern sie freuen sich einfach nur, dass wir Ausländer ihr Land bereisen und dass sie kurz mit uns sprechen dürfen. Und dass wir natürlich unsere Instagram-Accounts verlinken. Von einem Tag auf den anderen hatten wir 150 neue Follower. 😊

 

Am zweitletzten Abend in Mollu lädt uns Hamid zum Essen in einem Restaurant einzuladen. Nach 18 Uhr holt er uns im Park ab und fährt uns mit seinem Renault eine halbe Stunde in ein Dorf im Landesinneren. Er erklärt uns schon bei der Hinfahrt, dass es ein sehr traditionelles Restaurant ist und wir keine Tische und Stühle erwarten dürfen. So erreichen wir also das kleine Dorf Baverd, wo sich das Restaurant Kebabi Younes befindet. Das Restaurant wir von vier sehr herzlichen Brüdern geführt. Sie freuen sich riesig, dass wir bei ihnen zu Besuch sind. Das Restaurant ist quasi draussen und sieht aus wie eine grosse Terrasse. Es hat verschiedene Sitznischen, die jeweils mit persischen Teppichen ausgestattet sind. Wie Hamid bereits erklärt hat, sitzen wir heute auf dem Teppichboden. Damit der Teppich nicht schmutzig wird, erhalten wir für das Essen eine durchsichtige Tischdecke. Als Vorspeise gibt es eine Wasserpfeife. 😊 Anschliessend werden wir mit reichlich Essen verwöhnt. Hamit sagt uns: «Don’t be shy». Wir dürfen also zugreifen! Es gibt sehr lecker gewürzte Fleischspiesse, dazu frische Kräuter, Joghurt, Gemüse und Fladenbrot. Wir essen uns wirklich satt und geniessen das tolle Ambiente. Am Schluss liegen vor uns 32 (!) leere Kebabspiesse, nicht schlecht für fünf Personen. Als es ums bezahlen geht, werden wir mehrmals von Hamid davon abgehalten. Er sagt uns, dass es nichts koste und wir seine Gäste sind. Hätten wir einfach bezahlt, wäre das für ihn eine Beleidigung gewesen. Uns ist es gar nicht recht, aber was sollen wir machen… Hoffentlich können wir ihm irgendwann einmal behilflich sein. Bevor wir losfahren, zeigen uns die Restaurantbesitzer noch ihre Küche. Wir sehen wie frisches Fladenbrot gemacht wird und wie Kebabs grilliert werden. Nach einem tollen Abend machen wir uns wieder auf den Weg nach Mollu. Der Gärtner Machmut hat während dem Abendessen unsere Autos bewacht. Als wir gegen 22 Uhr zurück sind, kann er endlich Feierabend machen. Wir beschliessen als kleines Dankeschön am nächsten Tag für Machmoud, seine Familie und Hamid zu kochen. Das Ratatouille und die selbstgemachten Spätzli scheinen ihnen zu munden. 😊 So können wir wenigstens ein kleines Bisschen zurück geben für die wunderbare Gastfreundschaft.

 

Am letzten Tag gibt es nochmals Fisch. Dieses Mal aber nicht, weil David nichts gefangen hat, sondern weil auch wir mittlerweile versuchen den Einheimischen Gutes zu tun. Die iranische Freundlichkeit scheint wie ein Zyklus zu sein. Tue jemandem etwas Gutes und das Gute kommt irgendwann einmal zu dir zurück. David versucht also wieder einmal einen Fisch auf dem gegenüberliegenden Pier zu fangen, als plötzlich einer vom Militär hinter ihm auftaucht. Er ist aber in friedlicher Mission hier und er hat seine Fischerrute dabei. Als der Einheimische nach nur kurzer Zeit seine Angelschnur im Meer versenkt, bietet David ihm eine neue Angelleine und Köder an. So kann auch er weiter angeln. Es geht etwa eine halbe Stunde und schon zieht er in dieser kurzen Zeit drei Barracuda aus dem Meer. David staunt nicht schlecht, hat er doch in den letzten paar Tagen mit den gleichen Ködern immer erfolglos geangelt. Es bleibt dabei, David fängt nichts, bekommt aber einen Barracuda geschenkt. So gibt es heute Abend nochmals Fisch für uns.

 

Aus einer geplanten Nacht sind schlussendlich sechs Nächte geworden, bis wir weiter nach Bandar Abbas ziehen. Als hätte Hamid nicht schon genug für uns gemacht, bringt er uns heute auch noch Frühstück. Mit dabei hat er einen ganzen Topf mit Ash Reshteh, einer dicken iranischen Suppe, mit Spinat, Kichererbsen, Linsen und verschiedensten Gewürzen. Dazu das iranische Naanbrot. Die Gastfreundschaft von Hamid werden wir nie vergessen. Wir werden das kleine Fischerdorf Mollu in guter Erinnerung behalten.

 

Wir fahren der kargen Strecke entlang, von Bandar Lengeh bis nach Bandar Abbas. Auf der Strecke sehen wir immer wieder tolle Felsformationen und hie und da ein Kamel-Warnschild. 😊 Kamele sehen wir heute leider nicht, das kommt bestimmt noch früh genug. Die Region scheint nicht allzu stark bevölkert und zum Fahren ist es relativ gemütlich. Wieder einmal spüren wir die iranische Gastfreundschaft, als wir an einer Tankstelle Diesel geschenkt bekommen, obwohl wir mehrmals nachfragen und bezahlen wollen. Der Tankwart sagt kurzerhand: «Geld ist im Iran nicht wichtig. Für Touristen ist der Diesel kostenlos» 😊 Stellt euch das mal in der Schweiz vor…! Kurz vor Bandar Abbas werden die Strassen wieder etwas geschäftiger. Viele Trucks sind unterwegs, denn in Bandar Abbas befindet sich der wichtigste und grösste Handelshafen des Irans. Von hier fährt auch unsere Fähre nach Dubai. Wir reisen aber noch nicht aus, sondern müssen noch ein paar administrative Angelegenheiten erledigen. Wir müssen die Versicherung für Pluto verlängern und die Familie Gerhardt muss das Visum verlängern. Morgen wollen wir weiter auf die Insel Qeshm. Am Abend treffen wir auf unserem Übernachtungsplatz noch andere Reisende. Bandar Abbas scheint der Trichter zu sein, wo alle Overlander (Reisende mit Fahrzeug) wieder zusammenfinden. Auf dem Parkplatz stehen vier Reisetrucks, drei aus dem deutschsprachigen Raum und ein Holländer.


Insel Qeshm

Nach einer etwas unruhigen Nacht fahren wir heute bereits wieder von Bandar Abbas weg. Am Stadtstrand von Bandar Abbas haben wir nicht sonderlich gut geschlafen. Es war immer viel los rund um unsere Fahrzeuge. Hie und da hörte man einen Halbstarken der mit seinem Motorrad Lärm machte. Wir sind daher nicht unglücklich weiterzufahren. Bandar Abbas werden wir ausführlich an unseren letzten Tagen vor der Überfahrt nach Dubai besuchen. Wir fahren wieder 80 Kilometer der Strecke zurück, die wir Vortags gekommen sind. Bevor wir auf die Insel fahren, machen wir an der gleichen Haltestelle wie gestern halt. Wir füllen die Tanks nochmals voll. Auch heute wird wieder darauf bestanden, dass wir keinen Rappen für den Diesel bezahlen. Uns ist es ziemlich unrecht, immerhin können wir uns mit Toblerone bedanken. Wir sagen dem Tankwart, dass wir nach der Insel nochmals kommen, um unsere Fahrzeuge hier zu waschen. In Bandar e Pol fährt die Fähre auf die Insel Qeshm bzw. Qeschm. Bandar bedeutet auf iranisch Hafen. Entlang der Südküste fangen daher sehr viele Orte mit dem Begriff Bandar an. Bevor wir aber auf die Insel fahren können, müssen wir uns noch bei der Administration registrieren. Die Insel Qeschm ist die grösste Insel im Persischen Golf und liegt in einer der weltweit wichtigsten Handelsrouten für den Ölexport, der Strasse von Hormus. Die Insel ist eine Freihandelszone, und kann von Bürgern der Europäischen Union ohne Visum besucht werden. Wer also in Dubai seinen Urlaub verbringt, kann ohne Probleme einen Abstecher in den Iran machen. Die Insel besitzt auch einen internationalen Flughafen. Die Registration dauerte ca. eine halbe Stunde für uns. Anschliessend fahren wir auf die dichtgedrängte Autofähre und überqueren die 2.5 Kilometer lange Meeresenge. Trotz dem erforderlichen bürokratischen Aufwand ist es keine grosse Sache auf die Insel zu kommen. Auf der anderen Seite fahren wir direkt in das kleine Fischerdorf Bandar-e Laft und suchen dort einen Supermarkt auf. Das kleine Fischerdorf hat ein authentisches Ambiente, vor der Küste sind traditionelle Holzschiffe zu sehen. Hier sehen wir, dass jedes Haus einen kleinen viereckigen Turm auf dem Dach trägt. Die Türme sind traditionell persisch und dienen als Windfänger. Diese natürliche Lüftung wird seit Jahrhunderten verwendet und nennt sich Bagir. Wir folgen der gut ausgebauten Strasse bis an den westlichsten Zipfel, nach Basa’idu. Auf der Strecke passieren wir ein Mangrovengebiet und das Chahkuh-Klamm Valley. In Basa’idu verlassen wir die asphaltierte Strasse, passieren einen alten englischen Friedhof und fahren 10 Kilometer auf einer Piste zu unserem Plätzchen am Meer. Bei unserer Ankunft werden wir von einer Herde Dromedare und Wüstenfüchse begrüsst. Hier an der Westküste sind wir fernab von der Zivilisation und können die Natur so richtig geniessen. Am Morgen werden wir von den Dromedaren aufgeweckt und am Abend am Lagerfeuer besuchen uns die Wüstenfüchse. Tagsüber geniessen wir das angenehme Klima, lesen in unseren Büchern oder spazieren am Strand. Drei Nächte bleiben wir hier, ehe wir am letzten Morgen quasi von einer Fliegenplage verjagt werden. Am Tag der Weiterreise können wir kaum draussen sitzen, überall sind sie diese Viecher… Unser Esstisch ist schwarz und in der Führerkabine wimmelt es von Fliegen. Es ist sehr unangenehm und unappetitlich, weshalb wir von diesem schönen Ort möglichst schnell verschwinden. Wir vermuten, dass der Wetterumschwung bzw. der Regen von letzter Nacht die Fliegen hat vermehren lassen. 


Die Namakdan Salzhöhle im Unesco Qeshm Geopark

 

Trotz Fliegen lassen wir uns die Laune nicht verderben, obwohl auch das Wetter nicht mehr ganz so schön ist wie die letzten Tage. Wir hoffen mal, dass die «Fliegen nicht hinter Fliegen fliegen und Fliegen einander nicht nach fliegen»… Auf der Pistenstrasse geht es weiter in Richtung Süden, der Küste entlang. David macht es sichtlich Spass, mit 60-80 km/h auf der Piste zu brausen. Wenn wir etwas bei unserer letzten Backpacking-Reise in Australien gelernt haben, dann dass man auf holprigen Sandpisten möglichst schnell fahren soll, um die Schläge auszugleichen. Was in Australien funktioniert, funktioniert auch hier gut für uns. An der Südküste angekommen zieht uns die Piste etwas ins Landesinnere. In der Halbwüste fahren wir an ganz schönen, weissen Felsformationen vorbei und legen einige Fotostopps ein. Auf der Strecke zu den Namakdan Salzhöhlen werden wir von unzähligen violetten Bergen und abstrakten Felsformationen begleitet, gepaart mit dem azurblauen Meer des Persischen Golfs und den hellen Sandstränden, ein Traum. Der westliche Inselteil gehört grösstenteils zum Qeshm Geopark, welcher als einziger Geopark im Mittleren Osten durch die UNESCO ausgezeichnet ist.

 

Wir treffen nach rund einer Stunde bei den Namakdan Salzhöhlen ein. Am Eingang werden wir vom Sicherheitsmann begrüsst, der sich um die Anlage kümmert. An diesem Morgen sind wir die einzigen Touristen weit und breit. Schade eigentlich, wenn man bedenkt, dass es sich um die längste Salzhöhle der Welt handelt. Weshalb diese auch zum Unesco Qeshm Geopark gehört. Der Eintritt in den Salzdom ist erstaunlicherweise kostenlos. Aber für den Mitarbeiter vor Ort sind wir an diesem Tag die einzige Möglichkeit für einen Zusatzverdienst. So werden wir in die 6’500 Meter lange Höhle begleitet. Und um ehrlich zu sein, sind wir nicht undankbar, haben wir einen Guide dabei, obschon wir nur ca. 200 Meter der Höhle besuchen. Der Salzdom ist nicht beleuchtet und der Sicherheitsdienst weiss genau wo es durchgeht. Vor der Höhle erwartet uns ein grosses schwarzes Loch im purpurroten Gestein, ab hier geht es nur mit Stirnlampe weiter. Im Höhleninneren sehen wir zahlreiche Salzkristalle in Rosa, Violett, Blau, Purpurrot und Weiss. Die unterschiedlich geschichteten Farben funkeln, wenn wir sie mit der Taschenlampe anleuchten. Unter uns knacken die Salzbrocken, die wir mit unseren Schuhen zerkleinern. Durch die vielen Farben ist die Höhle etwas ganz Spezielles. Je weiter wir in die Höhle vordringen, je wärmer und feuchter wird es. Unser Guide erzählt uns, dass die leicht salzige Luft sehr gut für die Gesundheit und die Lungen sei. Leute fahren deshalb extra zur Höhle. Nach unserer Tour drücken wir unserem Guide 500'000.- IRR (ca. CHF 4.-) in die Hand. Er wiederum drückt David zwei kleine Steine in die Hand, welche der im Geröll der Höhle gefunden hat. Das eine ist Hämatit, ein schwarz-silbriges Gestein und der andere ist Pyrit, ein goldähnliches Gestein. Pyrit wird auch als Narrengold bezeichnet.


Chahkooh Valley

Von der Salzhöhle fahren wir nach Doulab, auf der nördlichen Küstenseite. In diesem Fischerdorf, machen wir unseren Wocheneinkauf in einem kleinen Supermarkt. Das Sortiment dieser Mini-Markets ist erstaunlicherweise recht vielfältig, wir sind jedes Mal erstaunt, was alles erhältlich ist. Für Yvonne gibt es hier sogar ein Glas Nutella. 😉 In den Mini-Markets gibt es kein frisches Gemüse, weshalb wir auf der gegenüberliegenden Strasse den Gemüsehändler aufsuchen. Der Iran ist unglaublich günstig, für 600'000 IRR (CHF 4.50) erhalten wir mehrere Kilogramm Tomaten, Aubergine, Pilze, Karotten, Zwiebeln, Äpfel und Bananen. Obschon die Währungssituation für uns sehr gut ist, macht die starke Inflation das Leben für so manchen Iraner sehr schwer. 

 

Wir besuchen nach dem Mittagessen eines der faszinierendsten Naturattraktionen der Insel Qeshm. Ein gemütlicher Spaziergang erwartet uns. Das Tal führt uns zwischen riesigen Felsen, grünen Bäumen und rutschigen Lehmpools zu einem Canyon, welcher uns Staunen lässt. Der Chah-Kuh-Klamm wurde durch Erosion gebildet. Tektonische Platten, die sich vor Millionen vor Jahren auseinandergetrennt haben, bilden eine gerade Linie durch den Canyon. Starke Regenfälle bildeten tiefe Rillen und Becken, ähnlich wie wir das von Gletschermühlen kennen. Die Becken werden noch heute als Wasserquelle benutzt. Übersetzt nennt sich das Tal aus diesem Grund das Tal der Quellen. Am Eingang des Tals zieht ein Einheimischer Wasser aus einer Quelle und lässt uns davon kosten. Wir sind begeistert und machen dutzende Fotos. 

 

Am Abend übernachten wir in der Nähe des Canyons auf einem Hügel. Von hier sehen wir auf die Felsformationen im Canyon und auf der anderen Seite auf das Hara Mangrovengebiet. Wir bleiben zwei Nächte an diesem Platz. Am Folgetag treffen wir Michelle und Silvan, zwei Reisende aus der Schweiz, die mit ihrem VM Bus unterwegs sind. Endlich können wir wieder einmal Schweizerdeutsch sprechen. 😊 Sie beschliessen, den Tag mit uns zu verbringen. 


Inselrundfahrt und hektische Rückreise

Seit wir den Westen von Qeshm verlassen haben ist das Wetter sehr wechselhaft. In der Nähe des Flughafens wollen wir eine Delfintour machen. Doch als wir den Pier erreichen, wirkt alles sehr ruhig und verschlafen. Kurz darauf wissen wir auch wieso: wegen des Wetters fahren heute und für weitere vier Tage keine Boote. Schade. Der Himmel ist zwar etwas bewölkt, aber nach Gewitter oder Regen sieht es nicht aus. Also fahren wir weiter zum Sternental. Hier soll es wunderschöne Felsformationen geben. Bei leicht bedecktem Himmel eine perfekte Aktivität, denken wir uns. Leider werden wir aber auch hier wieder abgewiesen. Aufgrund der Regenfälle ist das Tal derzeit geschlossen. Wir sehen zwar einige Pfützen am Strassenrand, doch auch hier regnet es nicht. Wir sind gerade etwas ratlos, was wir tun sollen. Da wir wissen, dass einige andere Overlander einen Strand weiter mit ihren Fahrzeugen stehen, fahren wir zu ihnen. In Qeshem City gäbe es noch ein altes Fort. Doch Peter sagt und, dass sich der Besuch nicht lohnt. Und kurz darauf beginnt es zu regnen. Leider sieht auch der Wetterbericht für die nächsten Tage nicht gut aus. Daher blieben die Attraktionen geschlossen und Chillen am Strand fällt somit auch ins Wasser. Wir beschliessen also kurzerhand, dass wir zurück nach Bandar Abbas fahren. Michelle und Silvan fahren in den Westen der Insel und Ingmar und Marion kommen auch mit uns aufs Festland. Es ist Montagnachmittag. Aufgrund des Wetterumschwunges wollen wir nun bereits am Mittwoch auf die Fähre nach Dubai und nicht erst am Samstag.

 

Zurück auf dem Festland gönnen wir Pluto nach über 5'000km wiedermal eine Wäsche. Das war dringend nötig. Kurz vor Bandar Abbas werden am Strassenrand Gasflaschen aufgefüllt. Die Herren schicken uns jedoch weiter in eine Seitenstrasse. Hier staunen wir nicht schlecht: eine wirklich professionelle Gasfüllanlage mit Förderband etc. Für 35 Rappen wird unsere Gasflasche innert fünf Minuten gefüllt. Wir sind froh, dass das diesmal etwas professioneller vonstattengeht als noch in Shirza. Wir füllen unsere Vorräte in einem preiswerten iranischen Supermarkt auf, kaufen frische Crevetten auf dem Fischmarkt und machen uns bereit für die langwierige Fährüberfahrt. Für Ingmar und Marion geht das etwas zu schnell. Sie beschliessen, erst am Samstag auf die Fähre zu gehen. Wir besorgen uns die Passagiertickets und am Abend vor de Fährüberfahrt treffen wieder die anderen Overlander auf dem Strandparkplatz in Bandar Abbas ein. Die Bürokratie am Hafen sei sehr unverständlich und langwierig. Daher haben wir beschlossen, den Agenten Mortesar die administrativen Angelegenheiten erledigen zu lassen. Vor ein paar Tagen haben wir bereits mit ihm telefoniert und er kommt am Abend vor der Fährüberfahrt bei unserem Stellplatz vorbei, um sich vorzustellen.


Am Hafen von Bandar Abbas

Am Mittwochmorgen treffen wir um 8 Uhr im Hafen ein. Mortesar erwartet uns bereit. Er benötigt unsere Pässe und das Carnet de Passage. Wir können bei den Autos warten und er läuft für uns von Station zu Station. Die 30$ waren wirklich eine sehr gute Investition. Um 10:30 Uhr kommt er mit unseren Papieren zurück. Er weisst und einen Parkplatz im Hafengelände zu und wir können bis 15 Uhr machen was wir wollen. Wir trinken Kaffee in der Sonne und David macht einen kleinen Ausflug zu einem Barber in der Stadt. Es ist kaum anzunehmen, dass Haare schneiden für einen ähnlichen Preis (weniger als 3 Franken) in Dubai möglich sein wird. Um 15 Uhr fahren wir Pluto vors Schiff. Ab jetzt dürfen wir nicht mehr ins Auto. Kurz danach wird der Preis für die Überfahrt des Fahrzeuges festgelegt. Wilde Storys von willkürlichen Storys haben wir gehört. Doch es scheint ganz einfach: Das Fahrzeuggewicht, das im Carnet de Passage steht, ist massgebend für den Preis. Bei uns steht dort 2.1 Tonnen, was nur das Gewicht des Nissans ohne Kabine ist. Wir sind glücklich, dass die Fährgesellschaft nur 400$ verlangt und nicht die erwarteten 650$ für unsere eigentliches Gewicht von 3.5 Tonnen, das wir dieses Mal verschweigen. 😊

 

Dann heisst es wieder warten. Der ganze Tag ist eine riesige Warterei. Um 19 Uhr dürfen wir in eine Art Warteraum, wie das Gate an einem Flughafen. Auch hier warten wir wieder. Um 22 Uhr dürfen wir dann auf die Fähre. Nachdem alle Passagiere an Bord sind, fährt David das Fahrzeug auf die Fähre. Es ist schon fast 23 Uhr als endlich das Abendessen serviert wird. Wir haben uns bereits pro Person eine Sitzbank reserviert, damit wir uns hinlegen könnten. Doch glücklicherweise erlaubt uns der Capitän, dass wir unter Deck im Camper schlafen dürfen. Dort ist es zwar laut, aber deutlich bequemer als auf einer Sitzbank. Leider stinkt es bestialisch im Frachtraum. Ein russischer Reisebus hat seinen Dieseltank aufgerissen, als er an Bord gefahren ist. So läuft nun der ganze Diesel aus und wird provisorisch mit Tüchern und etwas Sägemehl zusammengekehrt. Ein Vorteil ist, dass die Fähre an der Seite offen ist. So haben wir genügend frische Luft. Von der Grösse her gleicht das Schiff eher einer Bodensee-Fähre als einer Sardinien-Fähre. Trotzdem sind wir sehr froh, dass wir in unseren eigenen vier Wänden die Nacht verbringen dürfen. Bis 5 Uhr in der Früh schlafen wir recht